Vereinigte Staaten von Amerika

Der Panamakanal

Gatun Schleuse am Panamakanal © nicky39 - Fotolia.comKünstliche Wasserstraßen, Kanäle genannt, sind keine Erfindung der Neuzeit. Schon im antiken China kannte man solche Transportwege. Wie Ausgrabungen bestätigen konnten, hatte auch der heutige moderne Sueskanal Vorgänger im alten Ägypten, die allerdings im Laufe der Zeit vom Sand verweht wurden und in Vergessenheit gerieten. Warum unternahmen die Menschen damals solche enormen Anstrengungen, um künstliche Wasserstraßen zu bauen? Die Antwort ist einfach. Der Seeweg war für lange Zeit der sicherste und schnellste Weg, um größere Mengen von Waren und Personen über weite Entfernungen zu transportieren. Der Landweg war zu mühsam, langsam und gefährlich. Auch heute noch spielt der Güterverkehr über See eine bedeutende Rolle, nicht nur für Massengüter wie Rohöl oder Erz, sondern auch für Stückgut, zum Beispiel Container, weil er im Vergleich zu anderen Transportmethoden sehr effizient und kostengünstig ist. Der Seefahrt sind jedoch durch die natürliche Form der Landmassen Grenzen gesetzt. Der Mensch strebt daher danach, die natürlichen Gegebenheiten zu korrigieren und künstliche Wasserwege anzulegen, um lange Seewege zu verkürzen. Bekannte Beispiele für solche Kanäle, die 2 Meere miteinander verbinden sind, außer dem Panamakanal, der Nord-Ostsee-Kanal und der Sueskanal. Geplante Kanalbauten ähnlicher Art sind der sogenannte Kra- oder Thai-Kanal, der die malaysische Halbinsel durchschneiden soll und den Seeweg zwischen Europa und Ostasien erheblich verkürzen würde, falls er gebaut wird.


AnsichtskarteAus demselben Grund wurde auch der Panamakanal gebaut. Er ist eine Wasserstraße, die die mittelamerikanische Landenge an einer schmalen Stelle durchschneidet. Der Panamakanal ist etwas mehr als 80 Kilometer lang und erspart den Schiffen, die von der Ostküste der USA oder von Europa aus zur Westküste Amerikas wollen die zeitraubende Umrundung von Kap Hoorn, der Südspitze Südamerikas. Dadurch verkürzt sich zum Beispiel der Seeweg zwischen New York und San Francisco um mehr als Zweidrittel. Soweit wie möglich bezog der Kanal natürliche Gewässer in seinen Verlauf ein um Baukosten zu sparen. Der Kanal verfügt über mehrere Schleusen, um die Wasserscheide auf der Landenge zu überwinden. Er verläuft zwischen den beiden Städten Colón am Atlantik und Balboa am Pazifik. Für die Durchfahrt benötigt ein Schiff heute wegen des starken Verkehrs durchschnittlich 12 Stunden. Ein Lotse muss an Bord genommen werden.

Ansichtskarte Die Geschichte des Panamakanals verlief stellenweise sehr spannend, wie in einem Abenteuerroman. Schon bald nachdem die ersten Spanier im 16. Jahrhundert an der Küste Panamas landeten, kam der Gedanke auf, einen Kanal zu bauen. Wegen des damaligen Stands der Technik konnte diese Aufgabe jedoch noch nicht in Angriff genommen werden. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde stattdessen eine Eisenbahnlinie gebaut, die den Isthmus von Panama durchquerte. Die Idee eines Kanals gewann erst wieder an Bedeutung, als 1869 der Sueskanal erfolgreich fertiggestellt wurde. Daraufhin bildeten die Franzosen unter dem Vorsitz von Lesseps, des Erbauers des Sueskanals, eine Gesellschaft zum Bau eines Panamakanals. Die Wasserstraße sollte schleusenlos über eine Strecke von 73 Kilometern verlaufen. Die Bauarbeiten dauerten von 1881 bis 1889 an und forderten mehr als 22.000 Todesopfer infolge von Gelbfieber und Malaria. Wegen der hohen Todesrate, zahlreicher technischer Probleme und Geldmangel musste der Bau schließlich eingestellt werden, ohne dass der Kanal vollendet werden konnte. Die Franzosen verkauften 1902 den gesamten Komplex an die USA, die die begonnenen Arbeiten fortsetzten und zu Ende brachten. Um die Kanalzone unter Kontrolle zu bringen, besetzten die USA 1903 die Kanalzone und spalteten das Gebiet durch Ausrufen des unabhängigen Staats Panama von Kolumbien ab. Die Kanalzone blieb bis zum Jahr 2000 gegen Zahlung einer jährlichen Pacht amerikanisches Hoheitsgebiet. Erst dann wurde es der Souveränität des Staates Panama übergeben. Das erste Schiff passiert den Panamakanal kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914. 

Ansichtskarte Da der Schiffsverkehr immer dichter wurde und zugleich die Abmessungen der Schiffe stark anwuchsen, wurde 2006 beschlossen, den Panamakanal auszubauen, um ihn für die höheren Anforderungen zu rüsten. Die Abmessungen der Schleusen sollen vergrößert und die Wasserstraße verbreitert und vertieft werden, damit ihn auch größere Schiffe, die bis jetzt die lange Fahrt um Kap Hoorn machen mussten, passieren können. Die Arbeiten schaffen bis zu 7.000 Arbeitsplätze und sollen bis zum Jahr 2014, dem 100. Jahrestag der Eröffnung des Kanals, abgeschlossen sein.